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Einweihung in Nepal 2014 - "so many animals!" 🩏

Aktualisiert: 7. MĂ€rz


Eine besondere Reise zu meinem 40. Geburtstagsjahr wird zum echten Abenteuer. Rahmenhandlung ist eine Gruppenreise nach Nepal im MĂ€rz 2014 mit Trekking in der Annapurna Region und anschließendem Aufenthalt nahe des subtropischen Chitwan Nationalparks - zur Beobachtung von Panzernashörnern! Diese Wanderung bereitet mir bis heute erhöhten Pulsschlag und feuchte HĂ€nde. Hier die Geschichte mit vielen Bildern.




Willkommen in Chitwan

Was passierte vor dem "Jungle Walk": unsere Route fĂŒhrte uns in die Annapurna Region, in der wir ĂŒber mehrere Tage von HĂŒtte zu HĂŒtte wanderten. Eine klare, ruhige, wunderschöne Landschaft mit Achttausendern wie eine Fotoleinwand hinter der "normalen" Bergkulisse. Mein ganz persönlicher Traum! Und dazu eine völlig unbedenkliche Tierwelt - noch 😊


Die Ankunft in der von Flora und Fauna strotzenden subtropischen Region ist fĂŒr mich sehr gewöhnungsbedĂŒrftig. Überall summt, brummt, trötet es. Elefanten auf den Straßen, ĂŒberall Menschen, Pflanzen, Tiere - wie die Krokodile am hotelnahen Fluss. Krokodile! In Sichtweite! Hatte ich das bei der Reisebuchung gewusst? Echt? Ich wollte ja nicht "nur" 40 werden...

Erste Ahnungen ĂŒber die geĂ€nderten Bedingungen steigen in mir auf...




Vorbereitung auf den Jungle Walk


Von einem guten Freund weiß ich, dass er bei einem Jungle Walk in der gleichen Region keinerlei grĂ¶ĂŸere Tiere gesehen hat - schade, wie er findet. Von unserer sympathischen und sehr erfahrenen Reiseleiterin höre ich, dass "wir uns keine Hoffnungen machen sollen, man sieht sowieso nix". Meine Ahnungen sagen mir jedoch, dass es anders kommen wird.

Als ich in der Nacht vor dem Jungle Walk dann noch den ReisefĂŒhrer auf der Seite aufschlage, die schreibt: "Wussten Sie, dass in Nepal mehr Menschen bei der Beobachtung von Wildtieren ums Leben kommen als im Gebirge?", ist fĂŒr mich die Nacht eindeutig kurz.


Als einzige komme ich still und introvertiert zum sehr frĂŒhen FrĂŒhstĂŒck vor Sonnenaufgang und möchte "danke, nein, nichts essen". Lieber nicht. Was nicht drin ist, will nicht raus. Ich kaue noch an den Ahnungen der letzten Nacht. "Sie werden doch sicherlich Waffen zur Verteidigung dabei haben", sagen einige. Hm, in diesem Glauben kann man schon mal drei Brötchen essen und fröhlich lachen. Sie werden nicht Recht behalten.


Wir brechen in der MorgendĂ€mmerung auf. Eine wunderbare AtmosphĂ€re. Unsere toll harmonierende Gruppe von Abenteuer AnfĂ€ngern wird in zwei Einbaum Boote dirigiert und gleitet in der magischen Morgenstimmung ĂŒber den ruhigen Fluss. Ich fĂŒhle Dankbarkeit mit einem Anflug von Lebensabschied. Etwas sagt mir, die Flussfahrt könnte der angenehmste Teil werden - trotz der kreuzenden Krokodile...




Das Abenteuer beginnt


Wir landen mit unseren beiden nepalesischen WanderfĂŒhrern am schlammigen Ufer der Halbinsel des Nationalparks. Wir steigen aus, die Boote kehren um. Bis zu diesem Moment erwarte ich die beiden Ranger, die uns in gepanzerten Jeeps am schlammigen Ufer in Empfang nehmen und sagen: "NatĂŒrlich mĂŒsst ihr nicht in euren hĂŒbschen europĂ€ischen Wanderschuhen ungeschĂŒtzt durch den Dschungel laufen. Wir beschĂŒtzen euch!". Sie kommen nicht. Offensichtlich stehen Touristen nicht auf der Roten Liste schĂŒtzenswerter Arten. Sie dĂŒrfen heute selbst die Verantwortung tragen, wenn sie sich aus einer Mischung von Unwissenheit und Neugier in fremde Gebiete wagen, von denen sie weder Ahnung noch Ausstattung haben. Diese Menschentypen schienen im ReisefĂŒhrer wohlbekannt zu sein.



Was ich sehe, wenn ich an mir herunterschaue, ist lÀcherlich: "Me, myself and my Wanderschuh" - in nur wenigen Sekunden auf Platz 1 der Nahrungskette. Das nenne ich Pioniergeist. Mein Àngstlicher Geist sucht mittlerweile nach einem Seil, das von dem Hubschrauber herabgelassen wird, der gekommen ist, um mich zu retten. "Holt mich hier raus, ich bin ein Star!", denke ich. Offensichtlich bin ich keiner. Kein Hubschrauber in Sicht.


Unsere beiden mit Wanderstöcken bewaffneten FĂŒhrer stellen sich vor - sehr sympathisch wie alle Nepalesen, die wir bisher kennengelernt haben. Weniger magenfreundlich sind die AusfĂŒhrungen ihrer Vita (was man in Nepal durchaus mit "Überleben" ĂŒbersetzen könnte). Stolz und dankbar seien sie fĂŒr ihre Jobs. Beide Anfang 30 erwĂ€hnen sie im Nebensatz, dass die meisten ihrer Geschwister bereits verstorben seien. An dieser Stelle meldet sich mein Magen deutlich. Ob diese Geschwister den gleichen Berufen nachgegangen sind, ist unwesentlich. In Nepal liegen Leben und Tod so viel nĂ€her zusammen als bei uns. Das ist mir auf dieser Reise schon mehrfach bewusst geworden.



Unsere temporĂ€re Wahlfamilie aus vollkommen unerfahrenen Touristen und zwei tapferen WanderfĂŒhrern macht sich auf den Weg. Wir stiefeln von der feuchten Böschung am Fluss in den dichten Wald. Eigentlich ein Wald wie zuhause in den Auen, sage ich mir (Strategie: Vertrauen in die Situation gewinnen). Hohes Gras, Unterholz, eher wenige BĂ€ume. Eine KurzeinfĂŒhrung in das "Wie verhalte ich mich im Ernstfall, wenn ein Nashorn auf mich Kurs nimmt" macht mein Vertrauen zunichte. Denn sie besagt: verstecke Dich hinter einen Baumstamm oder klettere auf einen Baum. Die meisten der ohnehin wenigen BaumstĂ€mme sind so schmal, dass ich mich nicht dahinter unsichtbar machen kann. Und ich bin kein "Mann wie ein Baum". Das Herz rutscht tiefer in meine Funktionshose.


Der Ernst meiner Lage ist mir nun klar. Meine Sinne sind geschĂ€rft. Jetzt gilt's. Das Abenteuer beginnt. Ich beschließe, mich stets hinter dem FĂŒhrer zu halten. Schließlich hat er mehr Erfahrung als ich und bis heute ĂŒberlebt. "Das wird schon!", spreche ich mir mutig zu. Und glaube es nicht. Nach nur wenigen Schritten kommt es zum ersten Höhepunkt des Tages...




A Tiger Footprint - don't worry


Auf einem Trampelpfad tauchen wir in das GestrĂŒpp des Waldes ein. Ich folge dem FĂŒhrer so dicht, dass er meinen schnellen Atem spĂŒren muss. Plötzlich schießt ein beißender Geruch in meine Nase. Igitt, woher kenne ich dieses Ammoniak getrĂ€nkte Aroma? Bilder aus meiner Kindheit im Zoo tauchen auf. Zoo.... Raubtierhaus.... große Katzen in engen KĂ€figen.... Genau! Uringeruch von Raubkatzen, das ist es!

Hm, kann eigentlich nicht sein, denke ich. Das wÀr ja sonst gefÀhrlich, wenn wir so rumspazieren - unter dieser Kategorie von Raubtieren. Hoffe ich. Der Geruch ist weiterhin stark, meine Irritation auch.


Beim nĂ€chsten Schritt sehe ich deutlich vor mir eine feuchte Fußspur, der Abdruck einer großen Katzentatze. Ich klopfe dem FĂŒhrer hektisch auf die Schulter und zeige auf den Abdruck.


"Excuse me, what is THIS?", frage ich alarmiert. In dem typisch nepalesischen, lockeren Englisch-Singsang antwortet er sanft: "Ah, don't worry, it's a tiger footprint. They only come early in the morning to the water." TatsĂ€chlich bin ich very worried: "Äh, IT IS early in the morning and HERE is the water!", ich zeige zum Wasser neben uns. Er tĂ€tschelt beruhigend meine Hand: "Don't worry". Jetzt bin ich alarmiert!


Einmal Adrenalinrausch in 5 Sekunden. Ich fĂŒhle mich von dem riechbar anwesenden Tiger deutlich beobachtet. SpĂŒre seinen Atem in meinem Nacken wie unser WanderfĂŒhrer zuvor den meinen. Zwar sehe ich den Tiger nicht, doch glaube ich, er sieht mich bzw. uns. Keine Aussicht auf Flucht oder Rettung. An Nashörner haben wir gedacht, an Tiger nicht. Das möchte man keinem D-Promi im Dschungelcamp zumuten. Panik!


Genau an dieser Stelle des Weges beginne ich zu beten - und werde dies durchgĂ€ngig bis zum Verlassen des Dschungels fortfĂŒhren, was noch eine Weile dauern wird.



Nashorn Mama mit Kind - wo ist Papa?


Nur wenige schweißgebadete Schritte spĂ€ter stellt sich die erste Sensation der Wanderung ein - und unsere spontane Baumtauglichkeit wird geprĂŒft! Überrascht stoßen wir auf eine Nashorn Mama mit Kind. Beide rund zehn Meter von uns entfernt. Um uns herum ein paar dĂŒnne BĂ€umchen. So treffen Gefahr und Begeisterung aufeinander. Unsere Truppe erstarrt und die FĂŒhrer weisen uns hektisch wedelnd hinter die BĂ€umchen.



Fortsetzung folgt!







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